Gemeinsam für die Bewahrung und Erneuerung

deutscher Tanzkultur

Here you can find some information in English about our association.

Wer wir sind

Wir sind Tänzerinnen und Tänzer, die Interesse daran haben, die eigene traditionelle Tanzkultur zu erforschen und zu praktizieren. Dabei geht es nicht nur darum, alte Tänze zu kultivieren, sondern auch neue zu schaffen. Moderne, frische deutsche Tanzmusik gehört ebenfalls zu dem Aufgabenkatalog dieses Bundesverbandes.

Was wir leisten

Der  Bundesverband soll eine kompetente Anlaufstelle für alle Fragenden und Interessenten für deutsche Tänze sein, wobei wir ganz bewusst den historisch falschen Begriff "Deutsche VOLKSTÄNZE" vermeiden. Es wird verschiedene Kompetenzbereiche geben und wir kümmern uns auch um Ausbildung und Forschung auf diesem Gebiet.

Kontakt

Die Geschäftsstelle ist

zu erreichen unter:

Hinrich Langeloh

Am Osdorfer Born 14

22549 Hamburg

Tel. 040/802565

mail: info(ät)bvfdt.de



Der Tanz des Monats -

Tanzbeschreibungen, Noten und Musik zu traditionellen und deutschen Tänzen - jeden Monat neu - in Kooperation mit der Deutschfolkinitiative (www.deutschfolkinitiative.de). Alle monatlichen Tänze gibt es hier auf der Website auf der Seite "Tänze des Monats".

Tanz des Monats August 2022: Menuet Laschene

In der Dahlhoffsammlung von 1767 gibt es die Tanzmelodie „Menuet Laschene“ (Bd. 1, Nr. 65), die damals durch halb Europa gewandert ist. Zuerst notiert finden wir sie um 1746 im Spielbuch für Carillon (Glockenspiel) von Joannes de Gruijtters in Antwerpen, mit dem Namen „Menuet de quater“ und einem A- und B-Teil im 3/4-Takt. Schon 1760 taucht die Melodie in Dänemark in der Sammlung des Geigers Rasmus Storm leicht verändert auf, mit dem Namen „Menuet de France“ und einem A- und B-Teil im 3/4-Takt und einem C-Teil im 2/2-Takt. 1767 notiert sie der Musiker Johann Heinrich Dahlhoff im westfälischen Dinker in seinem ersten Band unter dem Namen „Menuet Laschene“, eine Eindeutschung des Titels „Menuet de la chaine“ dieser Melodie, wie sie einige Jahre später im Manuskript von Joseph Wandembrile, einem Geiger aus Namur in Belgien, im Jahre 1778 notiert wird. Dieser Tanzname deutet darauf hin, dass der damalige Tanz zu der Melodie eine Ketten-Figur enthielt, aber leider ist die Tanzform nicht überliefert. Diese Melodie von Wandembrile enthält einen C-Teil im 6/8-Takt und dieser Melodieteil wurde wahrscheinlich schon länger getanzt, denn der 2/2-Takt im C-Teil der „Menuet de France“ von Rasmus Storm um 1760 entspricht in etwa dem Nachtanz von Wandembrile. Johann Heinrich Dahlhoff muss diese Melodievariante gekannt haben, weil er den Namen übernommen hat, aber er konnte wahrscheinlich mit den Nachtanz nichts anfangen und hat ihn daher nicht mit notiert. Diese Form eines Nachtanzes ist sonst bei Menuetten nicht bekannt und die Melodie hat auch keine richtige Menuet-Phrasierung, so dass ich davon ausgehen, dass damals schon etwas anderes dazu getanzt wurde, was aber leider nicht mehr bekannt ist. Nun ist aber die Melodie sehr populär bei den MusikerInnen hier im Lande und auch in Belgien, so dass sich der belgische Musiker und Tänzer Marc Malempré erbarmt und eine neue Choreographie dazu verfasst hat. Er transformierte die Menuett-Melodie in eine Walzermelodie, was aber bei dieser Melodie sogar passender ist als einen Menuett-Schritt darauf zu versuchen. Leider hat er aber darauf verzichtet, eine Ketten-Figur in seine Choreographie einzubauen, die dem ursprünglichen Tanz wahrscheinlich den Namen verpasst hat. Zumindest im schnellen und gehüpften C-Teil wäre eine Ketten-Figur sehr passend gewesen. Trotzdem ist eine ganz schöne Tanzform zur Melodie entstanden, die mit einiger Übung auch getanzt werden kann. Ein Ball-Tanz hier in unseren Breiten ist es eher nicht. Marc Malempré hat seine Choreographie zu der dreiteiligen Melodie des Manuskript von Wandembrile gemacht, so dass man beim Spiel der zweiteiligen Dahlhoff-Melodie „Laschene“ den letzten Teil des Tanzes einfach weglassen kann. Marc Malempré spielt bei dem Tanz viel mit der Allemanden-Fassung der Tanzpartner, hier im Norden auch „Kiekbusch-Fassung“ genannt, weil der Mann etwas hinter seiner Frau steht und an ihr links und rechts vorbeischaut, wie aus einem Busch heraus. Diese Tanzfassung wurde aus Deutschland nach F rankreich exportiert und kam dann im 16. und 17. Jahrhundert als Tanz „Allemande“ mit vielen Wicklerfiguren - wie wir sie aus den Volkstänzen des Alpenraumes kennen - wieder zurück nach Deutschland in die gutbürgerlichen Tanzkreise. Nicht umsonst hat auch der Bundesverband für Deutsche Tänze diese Tanzfassung sehr schön stilisiert von Gabi Blank als sein Logo übernommen.

Ansonsten bietet das Schrittmaterial nichts besonderes. In den ersten beiden Teilen im 3/4-Takt dominieren die Walzerschritte und im dritten Teil im 6/8-Takt gibt es Gehschritte und Polkaschritte am Platz, bzw. Englische Set-Schritte (li-re-li und re-li-re am Platz). Hier ist die Beschreibung zur Choreographie von Marc Malempré als pdf.

Im Internet gibt es diverse mehr oder weniger gelungene Filmchen über diesen Tanz und gespielte Melodien auch jede Menge als Begleitmusik.

Hier ist eine schöne Tanzmusik der Dahlhoff-Melodie „Laschene“ von der Compagnie Brumborium aus dem Jahre 2015, mit einigen Tanzanweisungen im Hintergrund.

Einen schönen Vergleich der verschiedenen überlieferten Fassung des Menuetts hat Thomas Behr vom Tanzmusikarchiv verfasst. Hier ist die Zusammenstellung als pdf.

 

Somit viel Spaß mit dieser schönen Walzer-Choreographie wünscht

Hinrich Langeloh.

 

 

 

 

 

 

 

 Neuigkeiten auf dieser Website:

  • Am 19./20. November 2022 wird es die 12. Osdorfer Tanzwerkstatt für Neue Deutsche Tänze geben.  Diese Veranstaltung beschäftigt sich seit Jahren damit, neue Deutsche (Volks)Tänze zu schaffen, anknüpfend an die im 19. Jahrhunderts abgestorbenen Volkstanzszene in Deutschland. Trotz einiger Versuche zu Beginn des 20. Jahrhunderts,diese Szene wieder zubeleben, ist die Deutsche Volkstanzszene seit der Nazi-Zeit am Stagnieren und leidet an Überalterung. Die Osdorfer Tanzwerkstatt versucht dagegen an zugehen und hat schonüber 60 neue Deutsche Tänze kreiert, die auf der Website "www.tanzwerkstatt-osdorf.de" zur freien Verfügung und Weiterentwicklung bereit stehen. Wie immer wird es an dem Wochenende zwei Werkstätten geben: Die eine probt die neuen Tänze, die als Entwürfe vorbereitet werden und die andere Werkstatt ist für MusikerInnen, die interessante musikalische Arrangements für die neuen Tänze vorbereiten. Am Sonntag dann werden die beiden Werkstätten zusammengeworfen und es gibt eine Premierenaufführung der neuen Tänze. Mehr Infos zu der Werkstatt gibt es auf der o.g. Website.
  • Es gibt eine neue Rubrik hier auf der Website, in Kooperation mit der neu entstandenen Deutschfolkinitiative. Auf deren Website "deutschfolkinitiative.de" gibt es jeden Monat ein Lied des Monats (vorgeschlagen von Wolfgang Leyn), eine Tanzmelodie des Monats (vorgeschlagen von Vivien Zeller) und einen Tanz des Monats (vorgeschlagen von Hinrich Langeloh). Häufiger sind zumindest die Abteilungen Melodie und Tanz miteinander verknüpft, so dass es sich lohnt, einmal monatlich zumindest auf die website der Deutschfolkinitiative zu schauen.
  • Im Bereich "Bibliothek und Downloads" gibt es jetzt auch eine Übersicht über Tanzpublikationen in Deutschland, geordnet nach dem Erscheinungsjahr. Damit lässt sich schnell erfassen, in welchen Jahren oder Jahrzehnten ein besonders großes Forschungsinteresse an Volkstänzen vorhanden war und welcher Forscher wann besonders aktiv war. Hier ist der Link zur "Zeittafel der Volkstanzpublikationen in Deutschland von 1900-2015".
  • Unser Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang Schlüter hat einen sehr schönen Artikel über die Geschichte des Walzers verfasst. Wer sich ausführlicher damit beschäftigen möchte kann ihn hier herunterladen.
  • Aufgrund einer Diskussion um den Tanzbegriff "Sayra, Kontrasayra und Seiras",  wie er in der Region um Hamburg in der ersten Hälfte des 19. Jh zu finden war,  sind hier einige alte Noten und einige noch erhalten gebliebene Tanzbeschreibungen zusammengestellt.
  • Im Bereich "Bibliothek und Downloads" kann man Einsicht bekommen in die Tanzbibliothek des BVfDT und sich mit Fragen zu Publikationen an die Geschäftsstelle wenden, auch wenn man Bücher oder Hefte zum Thema "Volkstänze" abgeben möchte.
  • Wer regelmäßig über Neuigkeiten des BVfDT informiert sein möchte, sollte den Newsletter des BVfDT bestellen, der unregelmäßig im Jahr herumgeschickt wird. Einfach eine Mail schicken an: info(aet)bvfdt.de.

Hier gibt es eine Tanzkarte von Deutschland und Europa, auf der Menschen, Musik- und Tanzgruppen und Organisationen eingetragen sind, die sich mit Deutschen Tänzen oder Deutscher Tanzmusik beschäftigen. Bitte auf die jeweiligen Icons klicken und es öffnet sich dann der dazugehörige Kontaktlink.

Viel Spaß mit diesem Link: Tanzkarte

Der aktuelle Vorstand im Jahre 2022


Laßt uns tanzen, laßt uns springen! Laßt uns laufen für und für!

Denn durch Tanzen lernen wir eine Kunst von schönen Dingen.

Paul Fleming (Flemming) (1609 - 1640)