Der Tanz im Monat März 2022

Der Tanz des Monats im März 2022 ist das Westharzer Triolett, ein Kolonnentanz zu Dritt aus dem Harzer Vorland in Niedersachsen. Speziell in Norddeutschland hat sich eine Form von Dreiertänzen mit Progression, „Triolett“ genannt, bis heute gut erhalten. Zu Beginn wurde diese Tanzform auch gelegentlich noch Terzett genannt, wie z.B. das Bogenterzett oder Circkelterzett aus einem Artländer Tanzbuch um 1800 aus der Gegend von Osnabrück. Um 1800 herum kam plötzlich diese Tanzform in Mode, vielleicht bedingt durch den Einfluss der französischen Tampete. Der Tanz „Tampete“war ein Kolonnentanz im Kreis mit jeweils zwei Paaren gegenüber, die nach einem Durchgang des Tanzes weitergingen zum nächsten Paar, um mit dem Dasselbige zu tanzen. Das französische Wort „tempète“ für Sturm wurde eingedeutscht in Tampete. Vielleicht war es eine Anspielung auf Napoleon und seine Truppen, die wie ein Sturm über Europa hinwegfegten. Die Trioletts dagegen bestehen aus zwei Trios, gewöhnlich ein Mann zwischen zwei Frauen, die sich gegenüberstanden und verschiedene Tanzfiguren miteinander machten, um dann am Ende ebenfalls weiterzugehen zum nächsten Trio. Gut überliefert in der Volkstanztradition sind die Trioletts aus der Region des Harzes, wie das Westharzer Triolett oder das Alfelder Triolett. Dieser Formationstanz ist relativ einfach und macht Spaß in großer Runde zu Tanzen und wäre von daher sicherlich eine Bereicherung für jeden Balfolk-Abend.als Alternative zum immergleichen Cercle Circassien oder zur Chapelloise. Leider gibt es im Internet noch keine Videos vom Westharzer Triolett, lediglich vom Alfelder Triolett, das ähnlich aber doch in etwas anderer Form getanzt wird. Ich arbeite dran, dass demnächst ein Video vom Westharzer erscheint. Es gibt bisher auch noch kaum gut eingespielte Melodien vom Westharzer Triolett, so dass ich Vivien Zeller angefragt habe, eine etwa 4 minütige Tanzmusik zum Westharzer aufzunehmen. Diese sehr gelungene Aufnahme ist hier auf der Website und kann als Tanzbegleitung zum Westharzer genutzt werden. Vielen Dank an Vivien dafür. Hier sind die Links zur Musik "Viviens Westharzer" und zur Tanzbeschreibung "Westharzer Triolett".

Wer sich allgemein für deutsche Triotänze interessiert, dem sei das Tagesseminar des BVfDT am Samstag d. 2. Juli 2022 in Hamburg empfohlen. Dort wird es nur um Triotänze aus verschiedenen Regionen Deutschlands gehen. Die genauere Einladung dazu gibt es hier auf der Website des BVfDT (Triotänze).

 

 

Der Tanz im Monat Februar 2022

Der Tanz des Monats Februar ist – in Absprache mit der Melodie des Monats von Vivien Zeller – der „Klapperman“, ein Tanz aus der Osdorfer Tanzwerkstatt für neue Deutsche Tänze. Die Choreographie ist von mir neu zu dieser alten Melodie aus der Dahlhoff-Sammlung entworfen worden. Diese Sammlung entstand die in Dinker (Westfalen) in einer Kirchenmusikfamilie in den Jahren von 1767 bis 1799. In 10 Heften wurden über 1000 Melodien gesammelt, die meisten Menuette und Polonaisen, aber auch andere Tänze, deren Tanzform oder Choreographie nicht mit aufgezeichnet wurden. Somit ist jede Tanzform zu dieser Melodie lediglich der Versuch einer Rekonstruktion. Ich habe die damals gebräuchlichen Tanzschritte und Tanzformen herangezogen und einen Paartanz-Mixer im Kreis daraus gemacht. Dies bedeutet, dass sich Paare im großen Kreis oder in mehreren Kreisen aufstellen, gewöhnlich stehen die Männer oder als Männer tanzende Frauen links von ihrer Partnerin. Am Ende des ersten Durchgangs jedoch sind die Männer weitergegangen in Tanzrichtung zur übernächsten fremden Partnerin, während die Frauen zugleich in Uhrzeigerrichtung weitergehen und bei dem übernächsten fremden Mann landen. Entscheidend ist der Klatschteil des Tanzes im dritten Teil der Melodie, dem er wohl auch seinen Namen verdankt. Der Klatsch-Rhythmus ist eindeutig vorgegeben durch die Melodie, nur die genaue Ausführung ist natürlich nicht überliefert. Gewöhnlich klatscht man dann mit dem Partner und so habe ich die Variante „3 x eigene Oberschenkel“ und „3x Hände des Gegenüber“ gewählt. Es sind auch andere Varianten des dreimaligen Klatschens möglich, aber man sollte sich einige sein über den Klatsch-Rhythmus.

Im Flämischen gibt es die gleiche Melodie mit dem Namen „La Lavandière“, die Waschfrau, die beim Waschen die Wäsche häufiger mal auf Steine schlugen, wahrscheinlich um sie zu glätten. Das gleiche Motiv mit dem Klatschen als Symbol für das Wäschewaschen kommt bei dem Renaissancetanz „Branle des Lavandières“ von Thoinot Arbeau in seinem Buch Orchesographie von 1589 vor. Auch bei dieser Melodie ist der Klatschrhythmus im dritten Teil zu finden, aber man klatscht nur in die eigenen Hände und das viermal. Man kann die Melodie natürlich auch frei Tanzen als Schottisch, wenn auch die Melodie das nicht gut unterstützt mit den vier langen Noten zu Beginn.

Es gibt viele gute Aufnahmen vom Klappermann im Netz, aber hier ist eine Aufnahme der Compagnie Brumborium, die genau diese Tanzform unterstützt und gema-frei verwendbar ist. Filmaufnahmen dieser Tanzform gibt es noch nicht, aber wir arbeiten dran. Hier die Links zur Musik "Brumboriums Klapperman" und Tanzbeschreibung "Klapperman".

Im November 2022 gibt es die nächste Osdorfer Tanzwerkstatt, und zwar am 12./13. 11. 2022 hier in Hamburg. Wer Lust hat, sich an der Kreation neuer deutscher Tänze zu beteiligen kann die genaueren Informationen auf der Website „www.tanzwerkstatt-osdorf“ finden.

 

Tanz des Monats Januar 2022 „Abend legt vor meinem Haus“ (Tanz: Hinrich Langeloh)

Passend zur dunklen, aber auch mit Lichtern erhellten Adventszeit, habe ich einen Tanz ausgesucht mit einer neuen Melodie und einer neuen Tanzbeschreibung. Das Lied wurde geschrieben von Peter Michael Riehm (1947-2007), einem großartigen Komponisten aus der Waldorf-Szene, nach einer Textvorlage von Hans Roelli (1889-1962). Dieses Lied ist erschienen in dem Buch „Hör ich von fern Musik – Volkslieder für unsere Zeit“ und es hört sich mit einem Umfang von einer Oktave genauso an wie ein seit Jahrhunderten bekanntes Volkslied.

Es ist sehr schön und eingängig und so habe ich auch einen einfachen, ruhigen Tanz dazu gemacht, damit man/frau es auch nur acappella singen und tanzen kann – ganz in der Tradition der alten deutschen Singtänze. Wir verwenden es seit Jahren als Abschlusslied in unserer wöchentlichen Tanzgruppe und es kann helfen, nach einem bewegten Tanzabend wieder zur Ruhe zu kommen und entspannt nach Hause zu fahren. Wer nicht selbst singen möchte, bzw. lieber zu Musik tanzt, dem sei die Aufnahme des Ensembles TRIGON (Kathrin Krauß, Kerstin de Witt und Holger Schäfer) empfohlen. Es ist eine sehr schöne Aufnahme von der ersten CD des Ensembles und das Lied gibt es auf Youtube zu hören.

Hier ist der sehr poetische Text des Liedes:

„Abend legt vor meinem Haus seinen blauen Mantel aus. Gras und Grün verblassen an den stillen, stillen Straßen. Seinen blauen Mantel aus. Mensch und Schritte wandeln sacht angesichts der nahen Nacht. Wie ihr mir berichtet, ist der Streit geschlichtet. Angesichts der nahen Nacht. Sterne gehn im Himmelsdom wie in einem dunklen Strom. Bis des Mondes Bogen sie zu sich gezogen. Wie in einem dunklen Strom. Auch die junge Amselin mag im Feld nicht weiterziehn. Birgt sich ins Gefieder und vergisst die Lieder. Mag im Feld nicht weiterziehn.“

Und hier die Noten und die Tanzbeschreibung als pdf, sowie eine schöne Aufnahme der OS-Dorfmusik.

Viel Spaß mit diesem Tanz, der natürlich auch je nach Pandemielage ohne anfassen getanzt werden kann!